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Neuer Zollstreit?
Nun kehrt jedoch das Thema Zölle zurück. Trump drohte letzte Woche damit, die Zölle für EU-Güter wieder deutlich zu erhöhen, wenn die EU ihre Zölle nicht auf null senkt, wie im vergangenen Jahr vereinbart. Der exportorientierte DAX gab daher zuletzt etwas nach.
Allerdings stehen Trumps Drohungen auf wackeligen Füßen. Am Donnerstag entschied ein US-Handelsgericht, dass Trumps derzeitiger weltweiter Zoll von 10 % nicht rechtmäßig sei. Zuvor wurden Trumps noch höhere Zölle bereits vom US-Verfassungsgericht für unzulässig erklärt. Doch die US-Regierung plant bereits neue Zölle auf Basis einer anderen Gesetzesgrundlage ab Juli 2026. Man darf gespannt sein, wann Trump die Gesetze ausgehen.
Wall Street mit Rückenwind
Dass vor allem an der Wall Street die Kurse steigen, liegt an der starken Wirtschaft und den Unternehmensergebnissen. Der Nasdaq 100 führt die Bewegung an. Seit Ende März 2026 ist der Technologieindex 17 % im Plus. Gestützt wird er durch die Ergebnisse von sogenannten „KI-Hyperscalern“ wie Alphabet (Google), Microsoft, Amazon sowie zuletzt AMD.
Der Börsenwert von Alphabet liegt inzwischen fast so hoch wie der Wert des Chipentwicklers Nvidia, dessen Kurs zuletzt unter Druck geriet. Alphabet erzielte im ersten Quartal diesen Jahres einen Gewinn von 62,6 Milliarden Dollar, deutlich über den Markterwartungen. Amazon meldete einen Anstieg des Gewinns auf 30,3 Milliarden Dollar – fast eine Verdopplung gegenüber dem Vorjahresquartal.
DAX im Stagnationsmodus
Der deutsche Leitindex war in der vergangenen Woche sehr volatil. Kurz nachdem er über 25.000 Punkte geklettert war, fiel er wieder in Richtung 24.000. Neben den Zolldrohungen und dem bröckelnden Waffenstillstand belasteten einzelne Unternehmensdaten den DAX. Rheinmetall stürzte letzte Woche um über 10 % ab, nachdem das Unternehmen die Gewinnziele verfehlte und Analysten die Aktie herabstuften.
Ausblick: Neuer Fed-Chef und Trump-Xi-Treffen
Der kriegsbedingte Ölpreisanstieg hält die Inflation hoch. Die Finanzmärkte rechnen daher mit Leitzinserhöhungen durch die Europäische Zentralbank und mit gleichbleibend hohen Zinsen in den USA. Besonders spannend dabei: Die Amtszeit von Jerome Powell als Vorsitzender der US-Notenbank endet am Freitag. Im Wochenverlauf dürfte sein Nachfolger Kevin Warsh vom Senat final bestätigt werden.
Trump wünscht sich von Warsh zwar Zinssenkungen, diese erscheinen aktuell aber unwahrscheinlich. Stattdessen könnte Warsh durch Anleiheverkäufe, also ein Bilanzabbau bei der Fed, sogar die Kapitalmarktzinsen erhöhen.
Darüber hinaus wird Trump von Mittwoch bis Freitag dieser Woche auf Staatsbesuch in China sein und mit Präsident Xi Jinping sprechen. Neben Themen wie Seltenen Erden dürfte es dabei auch um den Iran-Konflikt gehen.
Der Nahostkonflikt hat die Benzin- und Energiepreise auch in Deutschland erhöht. Wir zeigen in unserem Chart der Woche, dass der Energiemarkt dennoch verhältnismäßig entspannt bleibt, und erklären die Hintergründe.
Viele Grüße,
Ihr Daniel Grabowski

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